Mass Effect

5 Werke 2 Medien 2007-2018

Drei verschiedenfarbige Enden lösten damals den ersten großen Konsumentenaufstand in der Computerspielbranche aus. BioWare hatte fünf Jahre lang versprochen, dass jede Entscheidung über eine gesamte Trilogie hinweg Gewicht besitzen würde, und im März 2012 gelangten Millionen von Spielern zu dem Schluss, dass dieses Versprechen gebrochen worden war. Das Studio überarbeitete das Finale schließlich und bot es drei Monate später als kostenlose Aktualisierung an.

Ein Speicherstand, der Sie durch drei Spiele begleitet

Mass Effect erschien im Jahr 2007 als Science-Fiction-Rollenspiel, das einen Dialograd mit einem von BioWare bis dato völlig neuartigen Kampfsystem verband.

Der eigentliche Geniestreich des Spieldesigns war jedoch der Speicherstand. Entscheidungen aus dem ersten Teil, wie etwa das Schicksal einzelner Figuren, wurden im Jahr 2010 von Mass Effect 2 und später abermals von Mass Effect 3 eingelesen. Eine solche Kontinuität über eine derartige Distanz hatte zuvor keine Spieleserie gewagt.

Mass Effect 2 gilt mit einem Metacritic-Wert von 96 durchgehend als der Höhepunkt der Reihe: Das Spiel bot eine Rekrutierungsstruktur, bei der die finale Mission all jene Besatzungsmitglieder das Leben kostete, auf deren Vorbereitung man zuvor keine Rücksicht nahm.

März 2012: Das Ende, die Petition und die Regulierungsbehörde

Mass Effect 3 erschien mit einem Finale, das drei im Wesentlichen nur durch ihre Farbe unterschiedliche Auswahlmöglichkeiten bot und in dem die angesammelten Entscheidungen aus fünf Jahren kaum ins Gewicht fielen.

Die Spielerschaft organisierte sich. Eine Kampagne namens Retake Mass Effect sammelte Spenden für den guten Zweck, um glaubwürdig zu bleiben, und bei der US-amerikanischen Federal Trade Commission wurde Beschwerde wegen irreführender Werbung eingereicht.

BioWare veröffentlichte im Juni 2012 kostenlos den Extended Cut, der das Ende um rund anderthalb Stunden erweiterte. Zuvor hatte kein Studio unter einem solchen Druck das Ende eines fertigen Spiels umgeschrieben, und Verlage betrachteten die Reaktionen der Spielerschaft seither als ein Risiko nach der Veröffentlichung.

Andromeda und ein Studio, das fünf Jahre verlor

Mass Effect: Andromeda verschlug es 2017 in eine neue Galaxie. Ein anderes Team steckte dahinter, und die Entstehungsgeschichte war von ständigen Neuanfängen geprägt. Die Gesichtsanimationen wirkten so misslungen, dass sie binnen weniger Tage nach der Veröffentlichung zum Internet-Meme wurden.

Zwar erzielte das Spiel immer noch einen Metascore von 71, was keineswegs eine Katastrophe ist, doch es folgte auf drei Teile, die im Schnitt über 90 Punkte geholt hatten, weshalb dieser Absturz als solcher gewertet wurde. Electronic Arts legte die Reihe vorerst auf Eis. Ein Roman namens Mass Effect: Andromeda erzählte die Handlung 2018 für die treu gebliebenen Fans weiter.

Ein vierter Teil wurde 2020 angekündigt und ist bis heute nicht erschienen. Die Trilogie erlebte 2021 eine Neuveröffentlichung und verkaufte sich gut, was für sich spricht.

Was ein Dialograd veränderte

Das Dialograd stellte die Tonalität über den Inhalt: Die Spielerschaft wählte eine Haltung statt einer konkreten Zeile. Fast jedes narrative Spiel seither kopierte diese Idee, selbst Studios, die sie zuvor kritisiert hatten.

Zudem etablierte die Debatte um das Ende etwas, das Verlage zuvor nie akzeptiert hatten: Ein Publikum, das hundert Stunden investiert hat, ging davon aus, ein Mitspracherecht beim Ausgang zu besitzen.

Diese Überzeugung ist mittlerweile eine feste Grundvoraussetzung für die Veröffentlichung langlebiger Reihen, ganz gleich, ob die Studios das begrüßen oder nicht.

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