The Last of Us
Der Nachfolger geriet bereits vor seiner Veröffentlichung ins Netz, und ein Teil des Publikums bildete sich anhand gestohlener Videoclips bereits vorab ein Urteil über die Handlung. The Last of Us Part II räumte daraufhin mehr Auszeichnungen ab als jedes andere Spiel seines Jahrjahres, während es gleichzeitig einen der niedrigsten User-Scores auf Metacritic hielt, und die Fernsehadaption erreichte mit ihrer zweiten Episode zehn Millionen Zuschauer.
Ein für Abenteuerspiele bekanntes Studio erschafft ein Werk über Trauer
Naughty Dog hatte ein ganzes Jahrzehnt in Crash Bandicoot und Uncharted gesteckt. Das Original aus dem Jahr 2013 schlug ruhigere Töne an: Zwei Menschen durchqueren ein zerstörtes Amerika, während die Kämpfe absichtlich ungelenk und spärlich dosiert blieben.
Die technische Meisterleistung lag in den Gesichtsanimationen. Das Studio nahm die Mienen und Körper der Schauspieler gleichzeitig auf, sodass die Handlung auch durch Schweigen statt durch Dialoge getragen wurde.
Das Ende verweigert sich jeder Auflösung. Joel trifft eine Entscheidung, die die meisten Spielenden so nicht getroffen hätten, und das Spiel kommentiert sie mit keiner Silbe, wodurch es zum Paradebeispiel für einen Protagonisten wurde, dessen Taten das Publikum keineswegs gutheißen muss.
2020: Ein Leak, Review-Bombing und Preise im Dutzend
Szenen aus The Last of Us Part II tauchten bereits Monate vor der Veröffentlichung im Netz auf. Die betreffende Handlungswende war dadurch vorab bekannt und jeglichen Kontexts beraubt.
Das fertige Spiel räumte mehr als 300 Auszeichnungen als Spiel des Jahres ab, so viele wie kein Titel zuvor. Der Metacritic-User-Score dümpelte nahe der Marke von 5 herum, während der Wertungsschnitt der Fachpresse bei 93 lag.
Sony löschte daraufhin tausende in den ersten Stunden abgegebene Rezensionen, da ein beträchtlicher Teil davon eintraf, noch bevor irgendjemand das Spiel überhaupt hätte durchspielen können.
Die Adaption, die endlich funktionierte
Videospielverfilmungen blickten auf eine dreißigjährige Geschichte des Scheiterns zurück. The Last of Us lief 2023 bei HBO an, geschrieben vom Regisseur des Spiels gemeinsam mit Craig Mazin, und zog am ersten Abend 4,7 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor die Bildschirme, am zweiten waren es fast zehn Millionen.
Dabei wurden bewusst Dinge verändert. Eine Episode ersetzte eine Nebenfigur durch eine einstündige, in sich geschlossene Geschichte, die im Spiel kein Pendant hat und zur meistgelobten Folge der gesamten Staffel avancierte.
The Last of Us Part I, ein umfassendes Remake des Originalspiels von 2013, erschien 2022 nicht zuletzt deshalb, um dem neuen Publikum eine zeitgemäße Fassung zum Kauf anzubieten.
Die neuen Maßstäbe für Spiele und Adaptionen
Jahrelang gingen Studios davon aus, dass Videospiele sich gegen Verfilmungen sperren, weil ihre Geschichten auf dem interaktiven Erleben beruhen. Dieses Werk bewies das Gegenteil: Die Vorlage funktioniert dann auf der Leinwand, wenn die Urheber die kreative Kontrolle über das Ergebnis behalten.
Jede seither entstandene Adaption übernahm dieses Modell und band die ursprünglichen Schöpfer direkt als Autoren oder Produzenten ein, statt sie lediglich zu konsultieren.
Zudem klärte das Franchise eine unschöne Frage. Eine Geschichte kann kommerziell erfolgreich sein, Kritik und Publikum dominieren und gleichzeitig von einem Teil ihrer Anhängerschaft abgrundtief gehasst werden, und die nackten Zahlen verraten Ihnen nicht, welche Reaktion nun die wahre ist.
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