Doctor Who
Die erste Folge lief ausgerechnet am Tag nach der Ermordung von John F. Kennedy, weshalb die BBC sie in der darauffolgenden Woche wiederholte, da damals schlicht niemand eingeschaltet hatte. Inzwischen läuft die Serie seit über sechzig Jahren dank eines Kunstgriffs, der einst erfunden wurde, um einen erkrankten Darsteller zu ersetzen: Die Hauptfigur kann ihr Gesicht wechseln.
1963: Eine Bildungssendung mit einer Polizeinotrufzelle
Die BBC gab Doctor Who in Auftrag, um Kindern zwischen einer Sportberichtserstattung und einer Popmusiksendung Geschichte und Naturwissenschaften zu vermitteln. Die Zeitmaschine sollte sie zu realen Ereignissen bringen.
Das zweite Serial führte die Daleks ein, gegen den ausdrücklichen Willen des Produzenten, der Monster als Verrat am Konzept ansah. Das Publikum verdreifachte sich innerhalb eines Monats.
Um 1965 zierten die Daleks Brotdosen und tauchten in zwei Kinofilmen auf. Das äußere Erscheinungsbild als Polizeinotrufzelle war eine rein finanzielle Entscheidung gewesen: Eigentlich sollte das Raumschiff seine Form verändern, doch die Produktion konnte sich für jede Woche kein neues Requisit leisten.
Wie die Erkrankung eines Darstellers das Ende der Serie verhinderte
William Hartnell war 1966 gesundheitlich nicht mehr in der Lage, die Rolle weiterzuführen. Statt den Darsteller einfach auszutauschen, machten die Verantwortlichen diesen Wechsel zum festen Bestandteil der Handlung: Die Figur regenerierte sich in einen neuen Körper mit einer völlig anderen Persönlichkeit.
Inzwischen haben fünfzehn Schauspieler diese Rolle verkörpert. Jeder prägte sie auf seine eigene Weise, und das Publikum betrachtete jeweils den eigenen Favoriten als den wahren Doctor, ein Zustand, den das Konzept nicht auflöst, sondern gezielt fördert.
Dieser erzählerische Kniff ermöglicht zudem eine stetige und radikale Erneuerung. Keine andere langlebige Serie vermag es, ihre Hauptfigur, den Tonfall und die gesamte Nebenbesetzung auszuwechseln, ohne dabei den Kontinuitätsfaden reißen zu lassen.
1989 abgesetzt, 2005 von Fans der ersten Stunde zurückgebracht
Die BBC stellte die Serie 1989 ein, nachdem die Einschaltquoten massiv eingebrochen waren. Mit dem Fernsehfilm Doctor Who aus dem Jahr 1996, einer Koproduktion mit Fox, unternahm man den Versuch, das Format für das US-Publikum wiederzubeleben, scheiterte jedoch daran, eine komplette Staffel zu platzieren.
Russell T Davies holte das Franchise 2005 mit einer für das moderne Fernsehen maßgeschneiderten Dramaturgie zurück: eine eigenständige Geschichte pro Episode, ein staffelübergreifender Handlungsbogen und eine emotionale Tiefe, die das Original stets vermieden hatte.
Erst durch dieses Revival entwickelte sich das Format zu einem weltweiten Exportschlager. Tom Baker, der die Rolle von 1974 bis 1981 verkörperte, veröffentlichte 2019 den Roman Doctor Who: Scratchman, der auf einem vier Jahrzehnte zuvor abgelehnten Filmdrehbuch basierte.
Vierundneunzig verlorene Episoden
Die BBC löschte in den 1970er-Jahren ihr eigenes Archiv, um die Bänder wiederzuverwenden. Vierundneunzig Folgen aus den 1960er-Jahren existieren in keiner sendefähigen Qualität mehr.
Fans hatten damals den Ton zu Hause mitgeschnitten, indem sie Mikrofone vor ihre Fernseher hielten, und diese Aufnahmen bilden heute die Grundlage für die animierten Rekonstruktionen, die die BBC vermarktet.
Eine Institution vernichtete ihre eigene Geschichte, und das Publikum bewahrte mit Haushaltsgeräten, was sich retten ließ. Das Archiv, das wir heute vorfinden, verdanken wir größtenteils ihnen.
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