Zart ist das Fleisch
Wenn das Schlachthaus in den Alltag einzieht
Nur wenige Werke der spekulativen Fiktion der letzten Jahre haben ein derart tiefsitzendes Unbehagen mit einer solch chirurgischen Kühle hervorgerufen. Der ursprünglich auf Spanisch von der argentinischen Autorin Agustina Bazterrica verfasste Roman erscheint nun in einer Übersetzung, deren Grundannahme so schonungslos ist, dass sie beinahe einer Herausforderung gleichkommt.
Was das Werk von gewöhnlicher dystopischer Literatur abhebt, ist gerade sein Verzicht auf Spektakel. Der Horror ist hier rein bürokratisch, alltäglich und wird durch Verwaltungsvorgänge sowie professionelle Euphemismen vermittelt, was ihn weitaus schwerwiegender macht, als es jede blutige Darstellung je könnte.
Die Geschichte
Ein Virus hat sämtliches tierisches Fleisch für Menschen giftig gemacht. Die Lösung, die mittlerweile legalisiert und industrialisiert wurde, ist die Zucht von Menschen zum Verzehr. Marcos arbeitet innerhalb dieses Systems in der Leitung einer Verarbeitungsanlage. Der Roman begleitet ihn, als er durch eine Lieferung gezwungen wird, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er jahrelang konsequent ausgeblendet hat.
Bazterrica nutzt durchgehend das beschönigende Vokabular der Industrie: „Spezialfleisch“, „Köpfe“, klinische Klassifizierungen. Die Sprache selbst wird hier zum Argument.
Eine Leseempfehlung
Es handelt sich um einen kurzen, dichten Roman, der sich schnell liest, aber nur schwer wieder aus dem Gedächtnis weicht. Leserinnen und Leser, die allegorische Literatur mit Tiefgang schätzen, man denke an Kafka, gebrochen durch eine zeitgenössische Ethik des Konsums, werden das Werk als bereichernd empfinden. Wir weisen darauf hin, dass die expliziten Darstellungen industrialisierter Gewalt gegen menschliche Körper sowie die Themen Trauer und moralische Mitschuld ohne jegliche Beschönigung behandelt werden.
Wenn das Schlachthaus in den Alltag einzieht
Nur wenige Werke der spekulativen Fiktion der letzten Jahre haben ein derart tiefsitzendes Unbehagen mit einer solch chirurgischen Kühle hervorgerufen. Der ursprünglich auf Spanisch von der argentinischen Autorin Agustina Bazterrica verfasste Roman erscheint nun in einer Übersetzung, deren Grundannahme so schonungslos ist, dass sie beinahe einer Herausforderung gleichkommt.
Was das Werk von gewöhnlicher dystopischer Literatur abhebt, ist gerade sein Verzicht auf Spektakel. Der Horror ist hier rein bürokratisch, alltäglich und wird durch Verwaltungsvorgänge sowie professionelle Euphemismen vermittelt, was ihn weitaus schwerwiegender macht, als es jede blutige Darstellung je könnte.
Die Geschichte
Ein Virus hat sämtliches tierisches Fleisch für Menschen giftig gemacht. Die Lösung, die mittlerweile legalisiert und industrialisiert wurde, ist die Zucht von Menschen zum Verzehr. Marcos arbeitet innerhalb dieses Systems in der Leitung einer Verarbeitungsanlage. Der Roman begleitet ihn, als er durch eine Lieferung gezwungen wird, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er jahrelang konsequent ausgeblendet hat.
Bazterrica nutzt durchgehend das beschönigende Vokabular der Industrie: „Spezialfleisch“, „Köpfe“, klinische Klassifizierungen. Die Sprache selbst wird hier zum Argument.
Eine Leseempfehlung
Es handelt sich um einen kurzen, dichten Roman, der sich schnell liest, aber nur schwer wieder aus dem Gedächtnis weicht. Leserinnen und Leser, die allegorische Literatur mit Tiefgang schätzen, man denke an Kafka, gebrochen durch eine zeitgenössische Ethik des Konsums, werden das Werk als bereichernd empfinden. Wir weisen darauf hin, dass die expliziten Darstellungen industrialisierter Gewalt gegen menschliche Körper sowie die Themen Trauer und moralische Mitschuld ohne jegliche Beschönigung behandelt werden.
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