Agustina Bazterrica

Autor
Tome
Redaktioneller Hinweis von Tome Aktualisiert am 18/09/2026

Eine Welt, in der die Aufzucht von Menschen legalisiert wurde, dargeboten in nüchterner Verwaltungssprache: Agustina Bazterrica weigert sich beharrlich, die Stimme zu erheben.

Die argentinische Schriftstellerin bewegt sich gekonnt im Bereich der phantastischen Horrorliteratur. Tender is the Flesh entwirft das düstere Bild einer Gesellschaft, die nach einer Seuche, die alle Tiere ungenießbar machte, den Kannibalismus industrialisiert hat. Erzählt wird dies aus der Perspektive eines Angestellten in einer Schlachthof-Verwaltung, in einer Sprache, die bewusst jeglicher Emotion beraubt ist.

Hintergrund und Einflüsse

Sie hat eine künstlerische Ausbildung absolviert und fand über Kurzgeschichten den Weg zur Prosa, wobei einige dieser Arbeiten bereits jene Motive aufgreifen, die auch ihre Romane prägen: Körperlichkeit und Konsum. Ihre erzählerische Haltung ist stark von der lateinamerikanischen Tradition der politischen Allegorie geprägt, ergänzt durch eine Form des Horrors, die ihre Gewalt nicht in Monstern sucht, sondern in den Mechanismen von Bürokratie und wohlklingenden Euphemismen verortet.

Stil und Themen

Wiederkehrende Motive sind Euphemismen als das Instrument, das Gräueltaten verwaltbar macht, die Mitschuld ganz normaler Angestellter sowie die Fleischindustrie als Zerrbild unserer Gesellschaft. Ihre Prosa zeigt sich knapp, direkt und analytisch, und verweigert dem Publikum jeden Einblick in das Innenleben der Figuren, bis sich auf den allerletzten Seiten die Perspektive öffnet. Der Schrecken entspringt dabei nicht einzelnen Ereignissen, sondern der akribischen Schilderung bürokratischer Abläufe.

Vermächtnis und Einfluss

Ihr Roman wurde mit einem bedeutenden argentinischen Literaturpreis ausgezeichnet und avancierte in Übersetzung zu einem internationalen Erfolg, der weit über die Grenzen der Genreliteratur hinaus ein großes Publikum erreichte. Mittlerweile gilt das Werk in Debatten über spekulative Fiktion als politisches Argument als fester Bezugspunkt, und es wird allenthalben als Parabel über die Massentierhaltung gelesen, ohne dass diese Absicht je explizit formuliert worden wäre.

Wer sich mit diesem Werk befassen sollte

Für Leserschaft, die Horror als Gesellschaftskritik schätzt. Ideal für alle, die dystopische Rom wegen ihrer Argumente lesen. Äußerst verstörend und Lesern, die empfindlich auf Schilderungen von Gemetzel reagieren, nicht zu empfehlen.

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