Sui Ishida
Wer zum eigenen Schrecken wird und sich fortan danach ernähren muss: Sui Ishida inszeniert Body-Horror als gesellschaftliches Problem.
Ishida hat Tokyo Ghoul erschaffen, die Geschichte eines Studenten, der in eine Kreatur verwandelt wird, die ausschliesslich Menschenfleisch verdauen kann, und nun lernen muss, mit diesem Schicksal zu leben. Der Schrecken entspringt dabei weniger Monstern als dem Zwang zur Tarnung: Es gilt, ein normales Gesicht zu wahren und gleichzeitig das Überleben im Verborgenen zu sichern. Die Organisation, die Jagd auf diese Spezies macht, setzt sich aus Personen zusammen, die selbst schwere Verluste erlitten haben.
Hintergrund und Einflüsse
Sein Schaffen ist von einem ausgeprägten Kunstverständnis geprägt; die Kapitelillustrationen wirken wie Gemälde, und eine Vorliebe für surreale, symbolische Bildwelten bricht immer wieder in die Erzählung ein. Europäische Literatur wird fortwährend zitiert, was der Reihe einen belesenen Tonfall verleiht, den man im Bereich der Horror-Action nur selten antrifft. Er entwirft seine Cover selbst, und diese verstehen sich als künstlerische Statements statt als reine Produktverpackung.
Stil und Themen
Wiederkehrende Motive: Hunger als Identität, die Grausamkeit von Institutionen, die Menschen in Schubladen stecken, und die Unmöglichkeit, gleichzeitig zwei Welten anzugehören. Immer wenn psychische Krisen überhandnehmen, bricht die Linienführung in ein gewolltes Chaos aus, bis das Papier selbst den Boden unter den Füßen verliert. Folterszenen werden mit einer Intimität gezeichnet, die für manche Leserinnen und Leser nur schwer zu ertragen ist.
Vermächtnis und Einfluss
Die Reihe avancierte zu einem der prägendsten Dark-Fantasy-Manga ihres Jahrzehnts, und ihre Bildsprache, insbesondere die charakteristischen Masken, ist weit über den Leserkreis hinaus unverkennbar. Die Art und Weise, wie hier Themen wie Assimilation und das Verbergen der eigenen Identität verhandelt werden, stößt längst auch jenseits der klassischen Horror-Kritik auf reges analytisches Interesse.
Für wen sich dieses Werk empfiehlt
Für Leserinnen und Leser, die Horror suchen, der ebenso psychologisch wie physisch schmerzt, und die Wert auf eine starke visuelle Ästhetik legen. Enthält drastische Gewaltdarstellungen und Folter. Geeignet für alle, die sich zu Geschichten über verborgene Identitäten und erzwungene Assimilation hingezogen fühlen.
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