Während die Fans zwischen Begeisterung und Sorge hin- und hergerissen sind, gilt die Rückkehr von X-Files in neuem Gewand als eines der meistbeobachteten Projekte der Stunde. Für diesen Reboot setzt die Streamingplattform Hulu auf eine vollständige Neuinterpretation, getragen von einem Filmemacher, dessen Karriere schlicht Respekt einflößt.
Ryan Coogler öffnet die Akte neu
Es ist schwer, sich einen besseren Kandidaten als Ryan Coogler vorzustellen, um sich an ein solches Schwergewicht zu wagen. Von Fruitvale Station über Creed bis hin zu Black Panther hat der Regisseur immer wieder bewiesen, dass er Erbe und Moderne miteinander verbinden kann, ohne dabei einen von beiden zu verraten.
Sein jüngster Streich, Sinners, ein mit mehreren Oscars ausgezeichnetes Mammutwerk, hat ihn endgültig in die Riege jener seltenen Autoren katapultiert, die alles, was sie anfassen, in Gold verwandeln.
Hinter dieser Neuerfindung eines Fernsehklassikers der 1990er-Jahre steckt aber auch eine ganz persönliche Motivation.
X-Files ist etwas, das ich mit meiner Mutter teile. Deshalb liegt mir dieses Projekt besonders am Herzen. Ich möchte ihr gerecht werden, und natürlich auch den Fans.
Ein persönliches Projekt also. Und genau das sind oft die riskantesten.
Ein starkes Team hinter der Kamera
An Cooglers Seite übernimmt Jennifer Yale die entscheidende Rolle als Showrunnerin. Eine naheliegende Wahl: Mit Stationen bei Legion, Outlander und Nachbarn wider Willen kennt sie komplexe Erzählstrukturen und düstere Atmosphären aus dem Effeff.
Für die Kamera holt Coogler seine bewährte Mitarbeiterin Autumn Durald Arkapaw zurück, die bereits für die markante visuelle Handschrift von Sinners verantwortlich war.
Ein Detail, das alles andere als nebensächlich ist: Chris Carter, der Schöpfer der Originalserie, bleibt als ausführender Produzent im Hintergrund an Bord.
Neue Generation, neue Agenten
Beim Casting ist die Absicht eindeutig: Es geht nicht darum, Mulder und Scully neu zu besetzen (ehrlich gesagt, wer könnte andere Gesichter als David Duchovny oder Gillian Anderson akzeptieren?), sondern völlig neue Figuren in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Hauptrollen übernehmen
- Himesh Patel
- Danielle Deadwyler
Bekannt geworden durch Danny Boyles Yesterday, in dem er einen Musiker spielt, der in einer Welt aufwacht, in der die Beatles nie existiert haben, war Patel anschließend in Christopher Nolans Tenet und Adam McKays Don't Look Up zu sehen. In diesem Sommer wird er als Dr. Watson in der dritten Staffel von Enola Holmes zurückkehren.
Deadwyler wiederum hat sich unter anderem in der Serie Watchmen, dem Biopic Emmett Till, dem Thriller Carry-On und der 2024er-Neuverfilmung von Das Piano einen Namen gemacht.
Übrigens ist es nicht das erste Mal, dass die beiden gemeinsam vor der Kamera stehen: Bereits in der Miniserie Station Eleven spielten sie zusammen.
Eine Mythologie, die neu gedacht werden will
Dieser Reboot ist nicht der erste Versuch einer Rückkehr. Nach dem Serienfinale im Jahr 2001 hatte X-Files bereits 2016 und 2018 mit Gillian Anderson und David Duchovny ein Comeback gewagt.
Diesmal ist die Ausgangslage jedoch eine andere: ein kompletter Neustart, ohne sich auf die ikonischen Figuren zu stützen.
Das Grundkonzept bleibt der DNA der Originalserie treu: Zwei brillante, aber grundverschiedene FBI-Agenten werden in eine vergessene Abteilung versetzt, die sich mit unerklärlichen Phänomenen befasst.
Eine subtile, aber wichtige Verschiebung: Während Scully einst Mulders Gegengewicht bildete, scheint die Dynamik hier ausgeglichener, fast symmetrisch angelegt zu sein.
Was uns Hoffnung macht
- Cooglers Handschrift: sein Gespür für die Balance zwischen Blockbuster-Spektakel und persönlicher Emotion hat schon oft überzeugt
- Eine echte Neuerfindung: kein billiges Copy-Paste, sondern eine eigenständige Mythologie
- Starkes Casting: Patel und Deadwyler bringen frischen Wind und echte Glaubwürdigkeit mit
- Starke visuelle Identität: Mit Arkapaw hinter der Kamera könnte der Look der Serie nachhaltig beeindrucken
Was die Skeptiker befürchten
- Kein Mulder, keine Scully: für langjährige Fans eine schwer zu schluckende Pille
- Das Gewicht des Erbes: neu erfinden, ohne zu verraten, bleibt ein Drahtseilakt
- Überhöhte Erwartungen: Coogler kommt mit einem fast unantastbaren Ruf
- Das Plattform-Risiko: Hulu muss dem Projekt genug Freiraum lassen, um zu atmen
Und was ist mit den Originalen?
Die Frage, die alle brennend interessiert: Könnten die Kultfiguren zurückkehren?
Gillian Anderson ließ nach der Lektüre des Drehbuchs bewusst Raum für Spekulationen.
Bleibt offen und gebt dem Ganzen eine Chance, denn es wird richtig cool.
Nach einer solchen öffentlichen Aussage ist ein Gastauftritt also nicht auszuschließen. Duchovny hingegen hat sich bislang noch nicht offiziell geäußert.
Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest, aber Hulu hat offiziell grünes Licht für die Produktion und den Dreh des Piloten gegeben. Wer die Wahrheit da draußen sucht, muss sich also noch ein wenig gedulden...
Bildnachweis: Amy Sussman/Getty Images, Tristan Fewings/Getty Images for BFI