Satoshi Kon
Der Schnitt zwischen zwei Einstellungen ist der Ort, an dem die Angst wohnt, und Satoshi Kon hat darauf eine ganze Karriere aufgebaut.
Kon inszenierte Animationsfilme, in denen Realität, Inszenierung und Wahnvorstellung sich denselben Bildausschnitt teilen, ohne dass jemals offengelegt wird, was nun was ist. Paranoia Agent entfesselt eine kollektive Panik in einer Grossstadt durch eine Kette lose verknüpfter Figuren, von denen jede einzelne überzeugt ist, das Opfer zu sein. Sein Schnitt ist dabei das entscheidende Werkzeug: Ein Match Cut trägt die Zuschauerschaft ohne Vorwarnung aus einer Erinnerung direkt in eine Lüge.
Hintergrund und Einflüsse
Der Weg vom Manga zur Regie prägt bis heute seine Bildkompositionen, in denen spürbar bleibt, wie akribisch eine Buchseite durchdacht wird. Eher als von Konventionen des Animationsfilms lassen sich seine Übergänge von Realfilmen leiten, insbesondere von psychologischen Thrillern. Seine Storyboards zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Präzision aus, die kaum Spielraum für nachträgliche Änderungen lässt.
Stil und Themen
Wiederkehrende Motive: Identität unter Beobachtung, Berühmtheit als Auslöschung sowie Menschenmengen, die sich darauf einigen, etwas zu glauben, weil der Glaube bequemer ist. Alltägliche Gesten werden mit solcher Präzision zum Leben erweckt, dass die unmöglichsten Sequenzen umso härter treffen. Die Enden verweigern meist die beruhigende Gewissheit, dass ein Handlungsstrang gelöst wurde.
Vermächtnis und Einfluss
Regisseure aus den Bereichen Animation und Realfilm berufen sich unmittelbar auf seine Übergänge, und sein Umgang mit subjektiver Realität gilt bis heute als Maßstab für das Medium. Sein schmales Gesamtwerk besitzt einen unverhältnismäßig großen Einfluss und wird wegen seiner Schnitttechnik ebenso intensiv studiert wie wegen seiner Geschichten.
Wer sich ihr Werk ansehen sollte
Für alle, die Animationen für das schätzen, was nur das Medium leisten kann, und die es ertragen, für die Dauer eines Films die Orientierung zu verlieren. Hier erwartet Sie eher Ambivalenz als Erklärung, und vermutlich der Wunsch nach einem zweiten Durchgang. Eine perfekte Entdeckung für alle, die sich zu Psychothrillern hingezogen fühlen.
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