Pittacus Lore
Ein Name auf einem Buchtitel, der eher zu einer Figur als zu einer echten Person gehört und zudem von mehreren Autorinnen und Autoren gleichzeitig verwendet wird: Pittacus Lore ist ein rein verlegerisches Konstrukt.
Pittacus Lore zeichnet offiziell als Autor der Lorien Legacies verantwortlich, einer Science-Fiction-Reihe für Jugendliche über neun flüchtige Kinder von einem zerstörten Planeten, die auf der Erde untergetaucht sind und in einer festgelegten Reihenfolge gejagt werden. Innerhalb der Romane wird der Name als der eines Ältesten ebenjenen Planeten präsentiert, der die Ereignisse eigenhändig festhält. Dahinter verbirgt sich jedoch ein kommerzielles Arrangement, bei dem ein Unternehmen das Konzept entwickelt und Schreibende unter Vertrag nimmt, um die Manuskripte zu verfassen.
Hintergrund und Einflüsse
Die Reihe ging aus einem Buchproduktionsbetrieb hervor, der von einem US-amerikanischen Autor ins Leben gerufen worden war, dieser hatte bereits zuvor durch den Skandal um eine gefälschte Autobiografie von sich reden gemacht. Der Auftaktroman entstand in Zusammenarbeit mit einem Co-Autoren, dessen Vertragsbedingungen damals ein mediales Echo fanden. Insbesondere die damit verbundenen Arbeitsmodelle mit spärlichen Vorschüssen und fehlender Namensnennung zogen damals anhaltende Kritik in der Presse nach sich.
Stil und Themen
Wiederkehrende Motive: Exil, Kinder, die einen Krieg austragen müssen, den sie nicht begonnen haben, und vererbte Fähigkeiten, die sich nach einem Zeitplan entfalten, den die Figuren nicht kontrollieren können. Die Prosa zeigt sich bewusst durchsichtig und rasant, zugeschnitten auf Leserschaft, die ein Buch in einem Rutsch verschlingt. Die Kapitel sind kurz, die Perspektive nah, und der nummerierte Ablauf der Jagd sorgt für einen Countdown, der den Grossteil der strukturellen Arbeit leistet.
Vermächtnis und Einfluss
Die Reihe war ein kommerzieller Erfolg, brachte es bis zu einer Verfilmung und wird heute ebenso oft für ihre Entstehungsgeschichte wie für ihren Inhalt zitiert. Sie bleibt eines der offenkundigsten Beispiele für kommerziell durchgeplante Jugendliteratur und ist für all jene von Interesse, die verstehen wollen, wie Buchreihen am Reißbrett entstehen, anstatt ganz klassisch geschrieben zu werden.
Für wen sich die Lektüre lohnt
Für ein jüngeres Publikum, das rasante Science-Fiction-Abenteuer mit klarer Countdown-Struktur sucht. Bestens geeignet für alle, die ein Auge auf die Hintergründe des Jugendbuchmarkts geworfen haben, was in diesem Fall ohnehin die spannendere Geschichte ist.