Makoto Yukimura
Eine Rachegeschichte, die in ihrer zweiten Hälfte gegen die Rache argumentiert: Makoto Yukimura hat seine eigene Prämisse absichtlich auf den Kopf gestellt.
Yukimura schreibt und zeichnet Vinland Saga. Das Werk beginnt als wuchtiges Wikingerabenteuer um einen Jungen, der den Mörder seines Vaters jagt, wandelt sich jedoch zu einer tiefgreifenden Studie darüber, was mit einem Menschen geschieht, wenn ihm dieses Ziel plötzlich genommen wird. Dieser Wendepunkt ist vollkommen bewusst gewählt, die darauffolgende Phase gestaltet sich deutlich ruhiger, behäbiger und ungleich anspruchsvoller in der Umsetzung. Wer einst wegen der Raubzüge zugegriffen hat, bleibt am Ende oft wegen der Landwirtschaft.
Hintergrund und Einflüsse
Seine historischen Schauplätze sind akribisch recherchiert, und den Schiffen, Höfen sowie Schlachten merkt man diesen Einsatz deutlich an. Schon seine früheren Science-Fiction-Manga zeigten dieselbe Vorliebe für physische Arbeit anstelle bloßen Spektakels, wir erleben Figuren, die mühsame Aufgaben mit äußerster Sorgfalt erledigen und dabei auf folgenschwere Weise scheitern.
Style and Themes
Wiederkehrende Motive: Gewalt als Erbe, das aktiv verweigert werden muss, die Würde der Feldarbeit und ein Pazifismus, der als mühsame praktische Haltung statt als bloße Gesinnung verhandelt wird. Kampfszenen werden übersichtlich und ohne jeden Glamour inszeniert, und den Nachwirkungen wird ebenso viel Raum gewidmet wie dem Gefecht selbst. Die Bildsprache wechselt dabei ab zwischen detailverliebten historischen Verweisen und beinahe leeren Landschaften.
Vermächtnis und Einfluss
Das Werk gilt weithin als Paradebeispiel für einen Manga, der bereitwillig sein ursprüngliches Genre über Bord wirft, während die Auseinandersetzung mit historischer Gewalt ihm eine Leserschaft erschlossen hat, die weit über das Abenteuergenre hinausreicht.
Wer sich auf dieses Werk einlassen sollte
Für Leserinnen und Leser, die historische Romane mit einem moralischen Kern suchen und sich auf eine bewusst entschleunigte Erzählweise einlassen möchten. Man stelle sich auf Härte zu Beginn und spürbare Entschleunigung im weiteren Verlauf ein, wobei die zweite Hälfte deutlich mehr Geduld erfordert als die erste.
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